17. Mai -Nationalfeiertag in Norwegen

Glomfjord – 17. Mai 2026

Der 17.Mai ist der Gründungstag Norwegen und der Nationalfeiertag. Wer eine Parade, lange Reden oder ähnliches erwartet, liegt da völlig falsch.

Schon lange war ich gespannt darauf, wie der norwegische Nationalfeiertag wohl gefeiert wird. Als meine norwegischen Freunde mir vor der Reise sagten, ich solle unbedingt „etwas Superschönes“ zum Anziehen mitbringen, war meine Neugier endgültig geweckt. Also wanderte mein schwarzer Anzug zusammen mit einer weißen Bluse in den Koffer – und die Vorfreude gleich mit.

Am 16. Mai am Abend wurde schon einmal etwas vorgefeiert. Dies ist aber nicht üblich, sondern hat sich rein zufällig ergeben. Als ich noch etwas eingekauft hatte, spürte man die Vorfreude auf den großen Tag.

Am Morgen des 17. Mai ging es zuerst in die Kirche. Dort sangen verschiedene Kinderchöre – kein klassischer Gottesdienst, sondern vielmehr ein fröhliches Zusammenkommen.

Besonders schön war die festliche Kleidung: Frauen in traditionellen Trachten, Männer in eleganten Anzügen und natürlich auch die Kinder festlich gekleidet. Selbst die Kleinsten im Kinderwagen waren geschniegelt und gestriegelt. Jetzt war mir klar, warum ich „etwas Superschönes“ zum Anziehen mitnehmen sollte.

Jeder hielt eine kleine norwegische Fahne in der Hand, und überall sah man lachende Gesichter.Nach der Kirche begann der Umzug durch die Stadt. Vorneweg fuhr ein großes gelbes Feuerwehrauto, aus dessen Lautsprechern norwegische Musik erklang. Die Menschen am Straßenrand winkten mit ihren Fahnen, lächelten und begrüßten den Zug voller Freude. Die Stimmung war unglaublich herzlich und gleichzeitig ganz ungezwungen.

Ein Moment hat mich dabei besonders berührt: Der Umzug stoppte vor einem Altersheim, und plötzlich wurde es ganz still. Das Feuerwehrauto spielte «Ja vi elsker dette landet…» (Ja wir lieben dieses Land…). Die Menschen in den Fenstern und auf den Balkonen winkten mit kleinen Fahnen zurück. Dieser Augenblick hatte etwas unglaublich Warmes und Menschliches. Ich fand es wunderschön, dass auch diejenigen, die nicht mehr selbst teilnehmen konnten, auf diese Weise Teil des Festes wurden.

Liedtext

Irgendwann begann es zu regnen. Doch wer jetzt erwartet, dass alle auseinanderlaufen oder sofort Regenschirme aufspannen liegt falsch. Alle gingen einfach weiter – fröhlich, lachend und völlig unbeeindruckt vom Wetter. Nur die Kinderwagen wurden schnell etwas besser abgedeckt. Genau diese entspannte Art machte den Tag für mich noch besonderer.

kurz vor Schulhaus

Der Umzug endete beim Schulhaus. Dort spielte eine Blaskapelle, es gab Kaffee, Eis und viele fröhliche Gespräche. Nach und nach kamen immer mehr Menschen dazu, und plötzlich war der Platz voller Leben. Der Parkplatz war bis auf den letzten Platz gefüllt, und überall standen Menschen zusammen, lachten und genossen den Feiertag.

Das Feuerwehrauto stoppte vor dem Schulhaus
Blaskapelle spielte auch im Regen

Da ich am Nachmittag noch bei Freunden eingeladen war, machte ich mich schließlich wieder auf den Heimweg. Dort wurde mein Anzug zum Trocknen aufgehängt und es kam die zweite Variante der «superschönen» Kleidung zum Einsatz. Schwarze Hose und eine andere weisse Bluse. Die norwegische 17. Mai Anstecknadel fand jetzt an der Bluse einen neuen Platz. Dann ging es mit dem Auto nach Halsa. 

unterwegs von Glomfjord nach Halsa

Dort wartete ein wunderbares Essen auf mich: Pute mit Kartoffeln, Rotkraut, Sauce und Salat.

Zum Dessert gab es die typisch norwegische Reiscreme mit roter Sauce und Erdbeeren. 

Reiscrem mit Sauce und Erdbeeren

Es war unglaublich lecker. Wir sassen lange zusammen, erzählten Geschichten, spielten Spiele und bemerkten gar nicht, wie schnell die Zeit verging.

Am Ende dieses Tages blieb vor allem ein Gefühl zurück: Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, diesen besonderen Feiertag erlebt zu haben, für die Herzlichkeit der Menschen und für all die kleinen Momente, die diesen 17. Mai so unvergesslich gemacht haben.

Vielleicht werde ich noch viele weitere norwegische Nationalfeiertage erleben. Wer weiß das schon? Aber dieser erste wird mir ganz sicher noch lange in Erinnerung bleiben.

Schreibe einen Kommentar